PSYCHOTHERAPIE

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist neben Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und Systemischer Therapie ein von den Krankenkassen anerkanntes und finanziertes Richtlinienverfahren für die ambulante psychotherapeutische Behandlung. Circa 45 % der Kassentherapien sind tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien.

In der tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird die unbewusste Psychodynamik aktuell wirksamer neurotischer Konflikte und struktureller Störungen unter Beachtung von Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand behandelt. Eine Konzentration des therapeutischen Prozesses wird durch Begrenzung des Behandlungszieles, durch ein vorwiegend konfliktzentriertes Vorgehen und durch Einschränkung regressiver Prozesse angestrebt. Ziele sind die Wiedererlangung innerer Balance (Symptomlinderung) nach Bearbeitung aktualisierter Konfliktthemen sowie das Verständnis von ungünstigen Beziehungsmustern bzw. einem problematischen Selbstbild. Der Schwerpunkt liegt auf einer Klärung von unbewussten oder unverstandenen Wünschen, Konflikten und Beziehungsdynamiken.

In psychodynamischen Therapieverfahren geht es im Gegensatz zur Verhaltenstherapie eher um Emotionserleben (versus Üben), Verstehen (versus Lernen), Beziehungsgestaltung (versus Problemorientierung), unbewusste Spannungen zwischen „ICH“ und „ES“ (versus rationales Selbst) und assoziativen Raum (versus strukturiertes Kommunikation).

Wann ist Psychotherapie sinnvoll?

Grundsätzlich ist Psychotherapie immer dann sinnvoll, wenn Sie subjektiv einen starken Leidensdruck spüren und dies ohne Hilfe nicht ändern können. Psychische Störungen können sich in unterschiedlichen Beschwerdebildern ausdrücken, häufig erleben Betroffene auch mehrere der folgenden Symptome gleichzeitig:

  • Emotionale Beschwerden wie zum Beispiel starke Stimmungsschwankungen oder Depressionen mit Gefühlen von Leere und Hoffnungslosigkeit.
  • Negatives Selbstwertgefühl wie zum Beispiel das Gefühl, ungenügend zu sein oder kein Gespür dafür zu haben, was einem persönlich wichtig ist und was nicht.
  • Ängste wie zum Beispiel Panikattacken, die Angst, an einer schweren Krankheit zu leiden (Hypochondrie), spezifische Phobien oder anhaltende, generalisierte Ängste und Sorgen.
  • Soziale Konflikte und soziale Ängste. Häufige oder stark beeinträchtigende Konflikte mit anderen Menschen, ohne dass Sie dies beabsichtigen. Zwischenmenschliche Abhängigkeit und starke Angst vor Trennung oder Verlust eines Menschen. Prüfungsängste und soziale Phobien wie die Angst vor freien oder auch geschlossenen Plätzen, aber auch vor dem Sprechen oder Essen in der Öffentlichkeit.
  • Chronische oder häufig wechselnde körperliche Beschwerden oder Schmerzen in unterschiedlichen Bereichen wie zum Beispiel dem Nerven-Sinnes-System, dem Herz-Kreislauf- System oder dem Magen-Darm-Trakt.
  • Körperliche Auffälligkeiten wie zum Beispiel Essstörungen, nicht organisch bedingte Schlafstörungen und nicht organisch bedingte sexuelle Probleme. Schwierigkeiten, eigene Gefühle differenziert zu erleben oder zu kommunizieren.
  • Einschränkungen der Selbstregulierung durch Zwänge, hohe Reizbarkeit, Kontrollverlust oder selbstverletzendes Verhalten.
  • Störungen der Wahrnehmungs- und Denkfunktionen wie zum Beispiel „Flashbacks“, Konzentrationsstörungen oder auch Gedächtnisstörungen.